Zeidelei und Streunutzung

 

Zeidelweide, Laubnutzung, Laub- und Bodenstreunutzung

 

Seit den ältesten Zeiten waren Honig und Wachs, die Erzeugnisse der Biene, für die Menschen nach HASEL unentbehrlich. Ehe Rohrzucker aus Java, Indien und Kuba nach Europa eingeführt wurden und im 19. Jh. in der Zuckerrübe eine Konkurrentin erhielt, war Honig der einzige Süßstoff. Wachs diente zur Beleuchtung in Kerzenform oder als Rohstoff im Handwerk. Honig konnte noch zum Berauschen als Met dienen. Im Mittelalter beanspruchte der Landesherr die Zeidelei als Regal, um es als Lehen zu vergeben. Zeidler sollen eine gehobene soziale Stellung besessen haben, vermutet HASEL.

 

Besondere Bedeutung und Ausdehnung hatte die Imkerei in lindenreichen Gebieten, wie in Ostpreußen. 

 

Wie bereits erwähnt, reichte das auf den Wiesen und Äckern gewonnene Heu und Stroh bis in die frühe Neuzeit hinein oftmals nicht aus, um das Vieh über den Winter zu bringen. Aus diesem Grund bediente man sich des Laubes der Bäume durch Abschneiden bzw. Schneiteln. Das Schneiteln bezeichnet nach KAULEN die Abholzung von Stockausschlägen nach einer kurzen Umtriebszeit von 3-4 Jahren. Die Äste wurden noch vor der Verfärbung im Herbst geschlagen und in lockeren Bündeln getrocknet. Besonders geeignet für diese Wirtschaftsform sind Weiden, Eichen, Eschen und Buchen. Bei Niederwaldwirtschaft geschah die Entnahme durch Stockschneitelung.

 

Die Laubnutzung wird wahrscheinlich nur auf Notjahre beschränkt gewesen sein, wie es für die Gebiete des Plessewaldes nach WAGENHOFF bekannt ist. Diese Art der Futtergewinnung ist schon sehr alt und unseren Vorfahren bekannt gewesen. Als Beispiel sei hier ein Zitat aus „Die hohe Jagd“ von 1920 wiedergegeben:

 

„Von großer Bedeutung (für die Fütterung im Winter) sind die Erzeugnisse des Waldes selber, die Waldfrüchte, Eicheln, Bucheln und Kastanien, und vor allem getrocknetes Laub. Obgleich in der Landwirtschaft schon seit Urzeiten der Wert getrockneten Laubes als Schaffutter gewürdigt ist, hat man erst seit einigen Jahrzehnten seinen Wert als Wildfutter erkannt. (...) wie der eigentliche Futterwert, d. h. der Gehalt an phosphorsauerem Kalk, von der richtigen Zeit der Gewinnung abhängt. Es muß das Laub möglichst früh nach vollendeter Blattentwicklung mit den Zweigen abgeschnitten, im Schatten getrocknet und trocken aufbewahrt werden.

Auf diese Weise ist der Wald selber im Stande, ein wichtiges Futtermittel dem Wilde zu bieten (...). Da aber das Laub der Eiche, des Hirschholunders, der Pappel, der Linde, Esche, Rüster, Hainbuche, Birke, der Himbeere und der Brombeere sich dazu eignen, zu Wildfutter getrocknet zu werden, so bietet sich doch in zahlreichen Waldungen Gelegenheit, Wintervorräte zu sammeln, wenn man diese Nutzungen mit den Durchforstungen und Läuterungen verbindet“ (Die hohe Jagd, 1920).

 

Diese Wirtschaftsform war bei den Bauern der vergangenen Jh. bekannt gewesen, und wird sicherlich auch in der Hausväterliteratur wieder zu finden sein, die nach KÖPP auf vielen ländlichen Höfen das Standardwert des Wissens war.

 

Eine Auswirkung der Beendigung der Waldweide in Siedlungsnähe stellt die  Laubstreu- und Plaggenentnahme dar. Sie gewann nach MANTEL erst mit Ausgang des Mittelalters durch das Anwachsen der Viehbestände und die allmähliche Einführung der Winterstallhaltung an Bedeutung und Umfang. Die Bodenstreunutzung hatte den Zweck, das Heu und Stroh, das heute in den Ställen verwendet wird, zu ersetzen, wenn davon nicht genügend vorhanden war. Nach HASEL ging der Strohertrag durch den neu aufkommenden Anbau von Futter- und Handelsgewächsen, von Kartoffeln, Tabak (besonders im Eichsfeld) und Hopfen zurück.

 

Die Auswirkungen dieser Nutzungsform können sich 300 bis zu 500 Jahren auf die Leistungsfähigkeit des Waldes erstrecken, falls keine anderen Schädigungen hinzukommen.