Waldnutzung

 

Mastnutzung

 

Die Schweinemast ist nach MANTEL eine sehr alte Waldnutzung, die neben der eigentlichen Waldweide bis zum 19. Jh. eine ganz besondere Bedeutung für die Fett- und Eiweißversorgung der Bevölkerung hatte. In Mastjahren von Eichen und Buchen war das Eintreiben und Weiden der Schweine im herbstlichen Wald für die Einwohner von großer Bedeutung. Die Eichelmastjahre waren dabei besonders wichtig, zumal sie etwa alle 2-4 Jahre aufeinander folgten. Buchenvoll- bis Halbmasten sind nur etwa alle 8 Jahre zu erwarten. Die Waldweide hatte aber auch schon frühzeitige Bedeutung für die Forstherren und Herrschaften. Der Schweinepfennig, das „Dechelgeld“ oder der „Techen“ (vom Zehnt) erbrachte nach MANTEL vielfach die ersten Geldeinnahmen aus dem Wald. Nach WAGENHOFF mußten die Bauern für die Mastnutzung im Plessewald Gebühren entrichten, da es herrschaftlicher Wald war.

 

Für die Schweinemast bestand also eine Genehmigungspflicht, die z.B. die Braunschweigisch-Lüneburgische Forstordnung von 1547 nennt:  „Es soll auch niemandt an den höltzern schweine in die mast treiben on unser wissen und willen“ (MANTEL, 1980). Im Mittelalter war es noch üblich, daß die Schweine der Untertanen, die für den Hausbedarf erforderlich waren, frei eingetrieben werden durften, für die weiteren Schweine aber Geldabgaben gefordert wurden. Diese Regelung bestand auch noch im 16. Jh. Nach HASEL wurden die Bäume in fruchtbare (ligna fructifera, d. i. zu Mastnutzung geeignet wie Eiche, Buche, Nußbaum, Wildobst, Kastanie) und unfruchtbare (ligna infructifera, insbesondere Weichhölzer und Nadelbäume) eingeteilt.

 

Das Schwein war nach HASEL bis ins späte Mittelalter der wichtigste Fleischlieferant. Aufgrund der damals noch weitgehend unbekannten Futterpflanzen wurden Schweine im Wald gemästet. Am beliebtesten war dabei die Eiche, da sie dem Schweinefleisch einen besseren Geschmack gab. Aus den Inscriptionbüchern ersehen wir die Bedeutung der Eichel- und Bucherckernmast, wie sie 1590 erwähnt wurde:

 

„Auß heilsamer zulassung des beneficii Appellandi sollen wir vogte, krigsherrn unnd gemeinlich die erben zum Rosenthall, bey Itzi­gen Jars durch gottes gnadigen segen reicher Eichelnmast: dafur wir seiner Allmacht demutigst von hertzen danck sagen“ (V. Inscriptionsbuch, 1590).

 

Diese reiche Eichelmast ist 4 Jahre später nach WÖBSE 1594 auch für das Forstamt Lauenförde im Solling bestätigt, die durch Mast 1.110 Thaler erwirtschaftet hatten, jedoch durch den Holzverkauf nur 44 Thaler. Das zeigt, wie wichtig dieses für die Wirtschaftsführung der Zeit war, woraus sich auch ihre besondere Stellung erklärt.

 

„Die Im Eutzenberge Itziger Zeit eckern belangende, das die Itzige eingetribenne schweine alß balt abgeschafft, unnd die gewachsene eckern, wie hierevor beschehen, inn die beut der Erbschafft bracht, oder sonsten andern zum teursten vorkaufft, unnd gelt davor bey einem Erbarn Rath zu trewen handen deponirt werden solle“ (V. Inscriptionsbuch, 1590).

 

Auf dem Euzenberg gab es also masttragende Bäume, wie Eiche und Buche. Die reichhaltige Mast des Jahres 1590 sollte nicht nur verfüttert, sondern auch verkauft werden. Nach MANTEL wurden solche Einnahmen vom Landesherrn z.T. vollständig in Anspruch genommen, z. T. mit dem Forstmeister geteilt. Das war bei der RE auch nicht der Fall, was dieses außergewöhnliche Besitzverhältnis wieder unterstreicht. Die reichhaltige Mast führte wohl auch zu einem Streitfall wegen der Nutzungsrechte, der vom 09.10.1590 belegt ist und woraus das Gewohnheitsrecht oder Servitut ersichtlich ist:

 

„Der Eutzenberg, von un­dencklichen Jaren, unnd ungleich lenger dann sich einiges Menschen gedencken erstreckt jure do­mini vel quasi besessen, unnd Inne gehabt, und noch, Auch unter andern Landtkundigen offentli­chen actibus possessoriis zu den zeiten, so Gott die Eichelmast beschert über 10.20.30.40.50. 60.70.80.90.100 Jar unnd mher Insonderheit und dergestalt genutzt unnd gebraucht, wir unnd ein J(e)glicher aus der erbschafft ein schwein in bemelt geholtz des Eutzenberges, zur mast abgetrie­ben, unnd drinnen gehalten, unangesehen unter uns einer mher dan der ander in gemeiner erbschafft an Lenderey besitzt, oder sonst zur austeilung aus selbiger erbschafft Jerlichen bekompt, unnd Inn dem uns alle gleich biss dahero eintrechtiglich gehalten, Auch keiner mher vorzugs fur dem andern“ (V. Inscriptionsbuch, 1590).

 


 

Im Sommer oder Herbst jeden Jahres wurde die Mast geschätzt, denn die Eichen tragen nicht jedes Jahr gleichviel Früchte, nur etwa alle 5 Jahre wird eine so genannte Vollmast erreicht, was einer optimalen Früchtemenge entspricht. Das Schätzen wurde nach KAULEN von Forstbeamten bzw. dem Holzrichter vorgenommen. HASEL berichtet sogar, daß manchmal ein Dachdecker mitgenommen wurde, der einzelne Bäume besteigen mußte, um einen Ast herunterzuwerfen, an dem die Mast abgeschätzt werden konnte. Im Hölting oder per Anschlag wurde die Mastquote bekanntgegeben oder die Mast versteigert, was regional sehr unterschiedlich sein konnte.

 

Die Schweinemast im Wald wurde im Allgemeinen als nicht sehr schädlich angesehen. Durch die Wühltätigkeit der Schweine und die damit verbundene Bodenauflockerung soll der Boden sogar verbessert worden sein. Nur vereinzelt wird nach KAULEN von Verbißspuren am Wurzelwerk berichtet. LINDNER berichtet jedoch von verschiedenen Landesordnungen, die sich mit der Mast beschäftigten. Schweine durften demnach nicht in der Zeit vom 15. März bis Johanni (24.06.) in den Wald getrieben werden und waren außerhalb der gewöhnlichen Triften nicht zu dulden, weil sie viele auskeimende Eichen und Buchen ruinierten. Die Schädigung der Mastwälder ist in der Hauptsache auf die darin betriebene Viehweide (Hude) und anderen Nutzungsformen zurückzuführen, die zur Devastierung führen konnten und auch in vielen Gebieten führte.