Förster und Holzknechte

 

Förster und Holzknechte

 

In der Karolingerzeit bestand nach HASEL bereits die Dreiteilung der Forstorgane in Forstmeister, Förster und Forstknechte, die während des ganzen Mittelalters und weit darüber hinaus für den Aufbau der herrschaftlichen Forstverwaltung bestimmend war. Nach MANTEL müssen wir zwischen Forstherr (Adel) und Eigentumsherr (Bauer, Besitzer des Lehnsrechts) unterscheiden. Der Forstherr beschäftigt zum Schutz des Forstes einen Forstknecht, der Eigentumsherr zum Schutz seines Eigentums und Holzes einen Holzwart und Schützen. Es kann auch von beiden Seiten ein gemeinsamer Forstknecht bestellt werden.

 

Nach HASEL hatten die Waldförster oder die Waldknechte nach der Waldordnung von 1439 des Bistums Speyer den Waldvogt zu unterstützen und besonders die Waldhut vorzunehmen. Sie sollten die Holzhauer beaufsichtigen, Gelder einziehen und sie an den Waldvogt abliefern.

 

Nach MANTEL gab es reitende und gehende Förster. Nach LINDNER  bekamen reitende Förster das 6-fache von dem, was ein Holzhauer bekam. Seine soziale Stellung war bedeutend. Er hat neben dem Amtmann, Amtsschreiber und der Geistlichkeit zu den Honoratioren des Amtes gehört. Der Amtmann wurde zu einer hervorgehobenen Machtperson mit den Aufgaben der Bewirtschaftung der Domänenländereien, der Jagd und des Amtsstandes.


Träger der Forstorganisation der unteren Ebene waren nach MANTEL die Forstmeister als Leiter der Forstämter. Die Förster und Forstknechte waren für den Betriebsvollzug und insbesondere für den Forstschutz (Waldhut) zuständig. Die Forstknechte waren Forst- und Waldhüter und den Forstmeistern unterstellt. In manchen Gebieten hatten sie die Stellung von Förstern. Der Hauptteil der Forstbediensteten war im landesherrlichen Dienst. Förster und Forstknechte standen auch im Dienst von Gemeinden, Genossenschaften usw. Hier waren auch noch eherenamtliche Personen tätig. Die Hauptaufgaben des Försters waren vor allem die Durchführungen der Hauungen und Anweisung der Schläge, aber ebenso die Jagd sowie der Forstschutz.

 

Die Vögte wurden bei der Betreuung des Waldes vom Förster oder Holzknecht unterstützt. Diese mußten meistens Gräben ausheben und Wege ausbessern, im Holzeinschlag helfen, das geschlagene Holz bewachen und den Wald vor illegalen Nutzungen der Waldweide schützen, wobei sie Vieh pfänden konnten. Fast immer erhielten sie von den eingenommenen Bußgeldern einen Anteil als Prämie, was ihren Eifer sicher gesteigert hat und nach KÖPP zur Unbeliebtheit in der Bevölkerung führte. Weitere Aufgaben waren das Köpfen von Weiden in der Natheaue, die Pflege der Knickhecken, das Ausholzen von Schneisen zur Holzabfuhr und das Verstreuen von Maulwurfshaufen, um den Ertrag der Wiesen zu sichern. Zur Zeit der Basternte mußten sie den Förster bei der Bewachung des Waldes unterstützen.

 

Bis in den Anfang des 19. Jh. wurden die Forstbediensteten nach HASEL nur zu einem geringen Teil in Geld, sondern vor allem in Naturalien entlohnt. Diese bestanden in Dienstland, Wohnung, Brennholz, Weidebefugnissen, Lebensmitteln und Wein. Dazu kamen die sog. Accidentien, das waren unregelmäßig eingehende Nebeneinnahmen wie Anweisungsgebühren bei Forstnutzungen, desweiteren Abgaben aus Anlaß von Waldweide und Mast, Pfandgebühren, Anzeigegelder und Anteile an Forststrafen.

 

Nachdem im 18. Jh. die Waldknechte von den Revierjägern verdrängt wurden, vollzog sich im 19. Jh. eine tiefgreifende Veränderung im Forstwesen. Die Jagdleidenschaft der Fürsten gegen Ende der absolutistischen Zeit ließ immens nach und der Einfluß des Adels auf die Forstverwaltung ging zurück. 1848 zerbrach das feudale Recht und eine neue Zeit der Bürgerjagd stand in den Anfängen. Die Ausbildung der Forstleute war vorwiegend praktischer Natur und bestand v.a. in der Weitergabe von Erfahrungswissen. Naturwissentschaftlich-mathemathische Kenntnisse waren bisher absolut unterentwickelt. Die Forstleute fingen an, an höheren Schulen und  Universitäten Kameral- und Rechtswissenschaften zu studieren. So avancierten sie zu höheren Forst- bzw. Verwaltungsbeamten (in Göttingen z.B. vor ca. 200 Jahren unter Johann Beckmann). Eine umfangreiche wissenschaftliche Erforschung der Forstwirtschaft erweiterte das Aufgabengebiet des Försters ungemein. Die Entwicklung tendierte weg von dem Forsthandwerk und hin zur Wissenschaft  (Köpp, 1996 u. 2.000).

 

Trotzdem war der Stand des Försters in der Bevölkerung um die Mitte des 19 Jh., durch die Höchstmaße an stattfindendem Waldfrevel und Diebstählen, besonders schwer. Den Revierleitern wurden sogenannte Waldhüter untergeordnet. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, in unterstützender Funktion den Wald gegen Forstfrevler zu schützen. Die Hüter hatten keine Ausbildung und gingen zumeist aus den Holzhauerstand hervor (LINDNER, 1969).

 

 

Seit 1896 waren sie außerdem für die ordnungsgemäße Durchführung des Holzverkaufes zuständig. Diese Verpflichtung nahm auch Einfluß auf die Mitgliederversammlungen, in der nun die Vögte gemeinsam mit den Förstern und den Schreibern Mindestgebote für das zum Verkauf stehende Brennholz festzusetzen hatten. Ab 1916 hatte der Vogt auch die jährliche Holzauktion zu leiten.

 

 

Weiterhin war die Militärbezogenheit ein besonders beeinflussender Umstand. Die Dienstzeiten beim mittleren Dienst und teilweise auch beim höheren Dienst im reitenden Feldjägerkorps verlängerten sich. Etwa ein Drittel der höheren Forstbeamten kamen hier aus Preußen. Verbunden mit dem Tragen der Uniform wurde quasi ein militärisches Vorgesetzten-Untergebenen-Verhältnis mit eben solchen Umgangsformen innerhalb des Forstdienstes eingeleitet (LINDNER, 1969).