Geschichte des Waldes

 

Waldgeschichte

 

Die Waldgeschichte erfaßt nach MANTEL den Naturwald und seine Entstehung vom ältesten Waldvorkommen bis zum Zeitpunkt des ersten wesentlichen Einwirkens des Menschen auf diesen Waldbestand.

 

 

Pollenanalysen und archäologische Funde 

 

Aus Pollenanalysen sowie aus archäologischen Funden lassen sich die verschiedenen Waldformen von der ersten Bewaldung bis heute rekonstruieren. Fundstellen waren u. a. die Tongruben von Bilshausen im Untereichsfeld, die uns Auskunft über das Cromer-Glazial (550.000 – 480.000 = Wärmezeit) vor der ersten nordeuropäischen Vereisung, der Elstervereisung (480.000 – 360.000) geben. Postglaziale Fundstellen sind in diesem Gebiet Seeburger See und Lutteranger, wobei es sich um seltene Funde von organischen Substanzen handelt (LINDNER, 1969).

 

In der Tongrube bei Willershausen im Westharz wurde ein Mastodon ausgegraben, das einen Vertreter der zweiten Hälfte des Pliozäns (3 - 5 Mio. Jahre) darstellt. Hier fand man auch nichtversteinerte Blätter und Früchte, deren Farben noch zu erkennen waren (LINDNER, 1969).

 

Der Wald des Tertiärs hatte Ähnlichkeit mit den Waldtypen der westasiatischen Gebiete in Persien (Iran) und dem Kaukasus. Die Flora des vorangegangenem Tertiärs (Eozän) hatte in Deutschland tropischen Charakter. Alle heutigen Baumarten waren vertreten, wie z.B. Eiche (Quercus spp.), Kiefer (Pinus spp.), Tanne (Abies spp.), Fichte (Picea spp.), Ahorn (Acer spp.), Ulme (Ulmus spp.), Linde (Tilia spp.), Esche (Fraxinus spp.), Buche (Fagus spp.), Birke (Betula spp.), Weiß-Erle (Alnus incana), Hainbuche (Carpinus betulus),  Pappel (Populus spp.), Eibe (Taxus baccata), Mammutbaum (Seqoiadendron giganteum), Sumpfzypresse Taxodium distichum), Götterbaum (Ailanthus altissima), Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera), Kastanie (Aesculus spp.), mehrere Arten der Hemlockstanne (Tsuga spp.), Lebensbaum (Thuja spp.), Wacholder (Juniperus communis), Goldlärche (Larix spp.), sowie Feigen, Palmen, etc. Die Flora und der Aufbau des Waldbildes war unserer heutigen sehr ähnlich. Die Hauptbaumart war wahrscheinlich die Buche (LINDNER, 1969).

 

Nach dem Ende des Tertiärs, zu Beginn des Diluviums ( von lat. Diluvere = auswaschen = Zeit des großen Wassers, Sintflut!) trat eine mehrfache Vereisung, Folge einer weiteren, allmählichen, starken Abkühlung des Klimas ein (HASEL, 1985).

 

Während der Kaltzeit (Glazial) war das Land von Mammut und dem Wollhaarigen Nashorn besiedelt, um zwei Vertreter des Tierreiches zu nennen. In der Zwischenwarmzeit (Interglazial) fand man z.B. den Waldelefanten und das Mercksche Nashorn. In der Tongrube von Bilshausen fand man aus der Cromer-Warmzeit Breitstirnelch, Nashorn, Riesenhirsch, etc. Diese Waldtiere werden eine starke Verbißbelastung für den Wald dargestellt haben (LINDNER, 1969).

 

Die Rückkehr dieser Baumarten nach der Eiszeit wurde durch die von O nach W verlaufenden Gebirge der Alpen gehindert, was zu einer Artenverarmung führte (KÖPP, 1996).

 

Auf Grund der Pollenanalysen, die in der Umgebung des Untersuchungsgebietes am Seeburger See und Lutteranger durchgeführt wurden, das die Rosenthaler Erbschaft einschließt, kann man von den nun folgenden Phasen der Späteiszeit und des Holozäns sprechen. Diese Einteilung weicht leicht von der allgemeinen, gröberen Einteilung ab, da sie detaillierter auf einen kleineren Raum bezogen ist.

 

1.      ältere Tundrenzeit oder Dryas-Zeit, Diluvium, 14.000 - 8.400 v. Chr.: Altsteinzeit: Vegetationsdecke noch nicht geschlossen, Nichtbaumpollen überwiegen mit 86,9 %, Gehölzpollen nur durch Weide (Kriech- und Buschformen), Birke (Betula nana = Zwergbirke) und Kiefer vertreten, also relativ waldlos, vielleicht sogar baumlos, der sibirischen Tundra ähnelnd.

2.      Mittlere subarktische Zeit, Birken-Kiefern-Zeit, 10.000 - 9.000 v. Chr.: weniger Nichtbaumpollen, also eine Waldzeit, die mit einer Birken - Zeit mit Höchstwerten von Birke mit 81.% im Allerödinterstadial die Wiederbewaldung begann (1.000 Jahre) und mit einer jüngeren Kiefern - Zeit mit Kiefer bei 80 % endete. Die Kiefernwälder waren flächig mit einer Beerkrautschicht (Krähenbeere) unterwachsen. Moorbirke (Betula pubescens) und Zwergbirke (Betula nana) waren noch vorhanden.

3.      Jüngere Tundrenzeit, waldarme Birken - Kiefern - Zeit, 9.000 - 8.000 v. Chr.: Zurückdrängung der Wälder, aber nicht in dem Ausmaß der älteren Tundrenzeit.

4.      Vorwärmzeit, präboreale Birken-Kiefern-Zeit, 8.000 - 7.200 v. Chr.: Mittelsteinzeit: Beginn der eigentlichen Nacheiszeit, dem Holozän, mit endgültiger Wiedererwärmung, wenig Nichtbaumpollen, viel Birke mit 78,7 % (Zwergbirke verschwunden), Kiefer mit 30 bis 50 %. Am Ende dieses Abschnittes finden wir den wärmeliebenden Haselstrauch, Zitterpappel und ein erstes Auftreten von Ulme und Eiche.

5.      Frühe Wärmezeit, Haselzeit, Boreal, Diluvium, 7.200 - 5.800 v. Chr.: Hasel steigt, Rückgang von Birken - und Kiefern - Werten, Aufstieg von Eiche und Ulme, geringe Werte von Nichtbaumpollen, was auf eine dichte Bewaldung schließen läßt.

6.      Mittlere Wärmezeit (älterer Teil), Ulmen-Eichen-Zeit, Ende Diluvium, Beginn Alluvium,  ältere Teil des Atlantikums, 5.800 - 4.000 v. Chr., Mittelsteinzeit: Es herrschte ein Eichenmischwald mit Ulme 20 - 40 %, Eiche mit 20 - 50 % im älteren Teil und danach ist Eiche häufiger vertreten. Geringe Einzelfunde von Buche (LINDNER, 1969). Die Fichte wandert von O her in die Mittelgebirge ein, die dem wärmeliebendem Eichenmischwald verschlossen blieben (HASEL, 1985).

7.      Mittlere Wärmezeit (jüngerer Teil),  Eichen-Linden-Eschen-Zeit, 4.000 - 2.800 v. Chr., Jungsteinzeit: Die ersten Funde von Getreidepollen lassen auf den Beginn der Landwirtschaft schließen, Buche noch unter 10 %. Im Anfang haben wir es mit Eichenmischbeständen (Eiche: 49 %) mit viel Hasel im Unterstand zu tun, danach sinkt Eiche unter 30 % und es folgt ein Eschen- Linden- und haselreicher Abschnitt. Am Ende dieser Zeit gewinnt die Eiche wieder die Oberhand mit 38 %, Linde sinkt unter 10 %, Erle steigt auf 38 % an und wir finden hier einen eichen- und erlenreichen Abschnitt.

8.      Späte Wärmezeit, Buchen-Eichen-Zeit, Subboreal, Ende Alluvium, 2.800 - 800 v. Chr., Bronzezeit, Beginn der Eisenzeit (500 v. Chr.): Anstieg von Buche auf 40 % und dementsprechender Abfall des Eichenmischwald (Eiche bei 36 %).

9.      Ältere Nachwärmezeit, Buchen-Zeit, älterer Teil des Subatlantikums, 800 v. Chr. – 1.000 n. Chr., Eisenzeit, Beginn der Völkerwanderungszeit: Unterteilt in Buchen-Birken-  Abschnitt (Eiche bei 20 %) und Buchen-Hainbuchen-Abschnitt (Eiche unter 5 %). Der auffällige Rückgang der Hasel (5,3 %), der Nichtbaumpollen und der Getreidepollen lassen auf dichte Bewaldung mit Buche (40 %) als Hauptbaumart schließen. Die Getreidepollen sind nur noch in Spuren zu finden und fehlen am Ende dann ganz, was eine Landwirtschaft ausschließt. Das Vordringen der Fichte ist in diesem Raum noch nicht festzustellen.

10.  Jüngere Nachwärmezeit, jüngerer Teil des Subatlantikums, 1.000 n. Chr. - 1300: Im ersten Buchen-Eichen-Abschnitt haben wir es mit einem deutlichen Anstieg der Nichtbaumpollen und des Getreidepollens (73 %) zu tun, was die einsetzende Besiedlung aufzeigt. Die Buche hat mit 56 % ihren nacheiszeitlichen Höchstwert erreicht. Im Harz herrscht die Buche bis 1.000 m Höhe. Im zweiten Abschnitt kommt die Kiefer auf und übertrifft am Ende die Buche; es handelte sich um einen Buchen-Kiefern-Fichten- Abschnitt. Die Fichte kommt jetzt mit 18 % vor, wahrscheinlich durch Einflug des Pollens aus dem Harz, die Nichtbaumpollen mit 36,7 % und Getreide mit 13 % bedeuten, daß der Wald nun stärker zurückgedrängt wurde (LINDNER, 1969). Diese zunehmende Waldnutzung stellt den Beginn der Forstgeschichte dar.